Allein in der Wildnis by Gary Paulsen

Allein in der Wildnis by Gary Paulsen

Author:Gary Paulsen [Paulsen, Gary]
Language: deu
Format: epub
ISBN: 978-3-646-92011-6
Publisher: Verlag
Published: 0101-01-01T00:00:00+00:00


11

Aber es gab so viel zu tun.

Zuerst einmal galt es, die restlichen Eier in Sicherheit zu bringen; sie in die Höhle zu schaffen und dort, neben der Schlafstelle, wieder im Sand zu vergraben. Brian brauchte all seine Willenskraft, um nicht heißhungrig noch ein Ei zu essen. Und wer weiß – dann noch eines? Aber er schaffte es, und als er die Eier nicht mehr vor Augen hatte, war es leichter zu widerstehen. Als Nächstes wollte er neues Holz ins Feuer werfen und dann sein Lager aufräumen.

Lächerlich!, dachte er. Sein Lager aufräumen. Er brauchte nur seinen Anorak auszuschütteln und dann zum Trocknen in die Sonne zu hängen. Danach fegte er den Sand an seinem Schlafplatz glatt.

Aber er spürte, dass es eigentlich darum ging, finstere Gedanken zu vertreiben. Brian war deprimiert, wenn er daran dachte, dass die Retter ihn noch immer nicht gefunden hatten. Nur solange er sich mit den unmittelbaren Aufgaben des Überlebens beschäftigte, konnte er sich solche Gedanken vom Leib halten.

Zum Glück gab es viel zu tun.

Nachdem das Lager aufgeräumt war, ging er Holz holen. Er hatte beschlossen stets einen Vorrat für mindestens drei Tage griffbereit zu halten. Und nachdem er die erste Nacht mit seinem Freund – dem Feuer – hinter sich hatte, wusste er, wie unersättlich dieser neue Freund war. Er brauchte Brennholz in großen Mengen.

Den ganzen Vormittag blieb Brian im Wald, hackte Holz, brach dürre Äste in kleine Stücke und schleppte alles ins Lager, wo er die Scheite zu einem großen Stapel vor der Felsklippe aufschichtete. Als er eine Pause machte und ans Ufer trat, um zu trinken, sah er sein Spiegelbild auf dem Wasser und entdeckte, dass die Beule an seiner Stirn beinahe verschwunden war. Sie schmerzte nicht mehr, als er sie mit den Fingern abtastete, und Brian nahm an, dass die Wunde von selbst geheilt war. Auch sein Bein tat nicht mehr weh und ließ sich normal bewegen – obwohl die geröteten Pusteln, dort, wo die Borsten des Stachelschweins seine Haut durchlöchert hatten, noch immer juckten. Aufatmend stand Brian am Wasser, betrachtete sein Spiegelbild und sah, dass sein Körper sich verändert hatte.

Ein dicker Junge war er nie gewesen. Aber er liebte saftige Hamburger und knackige Fritten. Von sahnigen Milchshakes ganz zu schweigen. Kein Wunder also, dass sich über seinen Hüften ein kleiner Rettungsring zeigte – der jetzt verschwunden war.

Brian war schlank geworden. Oder war er gewachsen? Sehnig und hager stand er da, den knurrenden Bauch eingezogen, und an den Armen spielten die Muskeln unter der sonnengebräunten Haut. Sein Gesicht war leicht rußig vom Rauch des Feuers und seine Augen strahlten. Vielleicht war es eher eine geistige Veränderung, die in ihm vorging; da war etwas Neues in der Art, wie er dort stand und schaute. Etwas, das noch im Werden begriffen war.

Ich bin nicht mehr derselbe, dachte Brian. Ich sehe anders, ich höre anders. Er wusste nicht, wann diese Veränderung angefangen hatte, aber sie war deutlich spürbar. Wenn er jetzt ein Geräusch hörte, nahm er es nicht nur wahr, sondern wusste auch, was das Geräusch zu bedeuten hatte.



Download



Copyright Disclaimer:
This site does not store any files on its server. We only index and link to content provided by other sites. Please contact the content providers to delete copyright contents if any and email us, we'll remove relevant links or contents immediately.